Die Übersetzerin Sonja Häußler hat “Die Clans der Seeker” ins Deutsche übersetzt. Was ihr an den “Seekern” gefallen hat und wie man an die Übersetzung eines so dicken Buches herangeht, erklärt sie uns hier.

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Wie sind Sie Übersetzerin geworden und welche Sprachen übersetzen Sie?

Ich habe am Fachbereich für Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft in Germersheim meinen Abschluss als Diplom-Übersetzerin für Englisch und Italienisch gemacht. Ein Semester habe ich auch in Manchester verbracht. Mein Studienschwerpunkt war Technik. Sehr bald habe ich allerdings festgestellt, dass meine Leidenschaft zwar dem Übersetzen, nicht aber der Technik gilt und habe mich daher beruflich ganz der schönen Literatur zugewandt. Diese übersetze ich aus dem Englischen bzw. Italienischen ins Deutsche.

Wie gehen Sie an ein Übersetzungsprojekt heran?

Meistens gehe ich gleich in medias res, d. h. ich fange sofort an zu übersetzen, ohne das Buch vorher gelesen zu haben. Ist das Buch spannend, freue ich mich schon abends auf den nächsten (Arbeits-)Tag und will wissen, wie es weitergeht. Natürlich gibt es auch Bücher, die erfordern, dass man sie vorher liest, z. B. wenn Begriffe vorkommen, von denen man nicht weiß, ob die gefundene Übersetzungslösung hinten im Buch noch genauso gut funktioniert wie vorne. „Die Clans der Seeker“ fand ich allerdings so spannend, dass mir das mit dem Übersetzen viel zu langsam ging und ich das Buch einfach in einem Rutsch durchgelesen habe….

In „Die Clans der Seeker“ gibt es viele Phantasie-Worte. Wie haben Sie das beim Übersetzen gemacht?

Überlegt, ausprobiert, verworfen, mit der Lektorin diskutiert, bis wir die unserer Meinung nach beste Lösung gefunden haben. Bei solchen Sachen geht es ja nie um „richtig“ oder „falsch“, sondern darum, ob es funktioniert/überzeugt/gefällt oder nicht, und da kann man ja völlig unterschiedlicher Auffassung sein. Die Lösung gibt es da in der Regel nicht.

Übersetzen Sie gerne Fantasy? Haben Sie ein „Lieblings-Genre“ fürs Übersetzen?

Ich übersetze Fantasy sehr gern, aber Lieblings-Genre habe ich eigentlich keines. Hauptsache die Geschichte zieht mich in ihren Bann und ist gut geschrieben, dann macht das Übersetzen auch Spaß.

Was mochten Sie an „Die Clans der Seeker“?

Die Charaktere sind sehr überzeugend, manche davon schließt man sofort ins Herz, andere sind wunderbar ambivalent (John!). Am Besten haben mir Shinobu und Meister Tan gefallen – Letzterer spielt zwar eher eine Nebenrolle, ist aber einfach hinreißend. Des Weiteren ist die Story natürlich sehr spannend und actiongeladen. Die Schauplätze – hauptsächlich Schottland und Hongkong – sind geschickt gewählt, tragen viel zur dichten Atmosphäre des Buches bei und entfachen fast so etwas wie Fernweh.

Ist es schwieriger einen Text zu übersetzen, den man nicht freiwillig gelesen hätte, als einen, den man gerne liest?

Schwieriger ist das nicht unbedingt – ob einem eine Übersetzung schwerfällt, hängt meist von anderen Dingen ab – aber es macht natürlich viel mehr Spaß, einen Text zu übersetzen, der einen begeistert. Andererseits befasst man sich beim Übersetzen so intensiv mit einem Text – das ist etwas ganz anderes als ihn einfach nur zu lesen. So kann es passieren, dass ich plötzlich Bücher gut finde, die ich niemals freiwillig gelesen hätte…

Wie lange dauert es, ein so dickes Buch zu übersetzen?

Angenehm sind zwei Monate, dann hat man so etwas wie einen acht Stunden Job mit Wochenende. Wenn es schneller gehen muss, wird es stressig und ich muss auch mal samstags an den Schreibtisch. Aber natürlich hängt das nicht allein von der Dicke des Buches ab, sondern auch davon, welche Schwierigkeiten es birgt, ob man viel recherchieren muss usw. usf.

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